Kriegskinder -. Kriegsenkel – Unsichtbare Wunden über Generationen –
gemeinsame Lesung der Autorinnen Gerda Brömel und Anneke Polenski
12. September 2025, 15.00, Uhr, Literaturhaus Schleswig-Holstein, Schwanenweg 13, 24103 Kiel, Gastveranstaltung von NordBuch e. V. Förderverein für zeitgenössische Literatur
Offensichtlich hatten die beiden Autorinnen mit ihrem Thema einen Nerv getroffen, denn es kamen weit mehr Interessierte, als Plätze vorhanden waren. Es musste – unter Beachtung der Fluchtwege – eng zusammengerückt werden, dennoch fanden einige Gäste nur noch einen Stehplatz auf dem Flur.
Nach einführenden Worten der 1. Vorsitzenden von NordBuch e.V. Christel Mirus-Bröer trug „Kriegskind“ Gerda Brömel zunächst das Gedicht „Der Krieg“ vor (Rüdiger Stüwe „Gedanken in der Warteschleife“). Es folgten vier etwas gekürzte Erinnerungs-Geschichten aus ihrem Buch „Auf der Schaukel Kindheitsbilder 1936 – 1945“. Aufmerksam und hochkonzentriert lauschte das Publikum, wie die sieben- bis 13-jährige Gerda Kriegsbeginn, Bombenangriffe auf ihre Heimatstadt Kiel und zwei Jahre in verschiedenen KLV-Lagern erlebte sowie den gefährlichen Weg nach Hause kurz vor Kriegsende Anfang Mai 1945 überlebte.
Schon in der Pause hatte das Publikum Gelegenheit, anonym Fragen oder Kommentare zu den Texten und zum Veranstaltungsthema auf anfangs verteilten Resonanzkarten zu notieren.
Im zweiten Teil las „Kriegsenkelin“ Anneke Polenski Erinnerungstexte über ihre Kindheit: Das Thema Schweigen und Sprachlosigkeit der Eltern als Reaktion auf das Grauen von Flucht und Krieg ist der rote Faden in beiden Prosatexten der Autorin. Sie findet dafür die Metapher des weißen Drachen, der beschützt und zugleich das Seelische verschlingt. Die Autorin beschreibt überzeugend, wie schon ein ein kleines Mädchen unter nicht verarbeiteten Kriegserlebnissen Erwachsener leidet: Die Verstörung eines Kindes wird sichtbar. Mit nachdenklicher Lyrik aus ihrem 2024 erschienenen Gedichtband „im leuchten der stille – ein lächeln“ rundete Anneke Polenski ihre Lesung ab.


Im letzten, sehr lebhaften Teil der Veranstaltung beantworteten Gerda Brömel und Anneke Polenski die Fragen.
Langanhaltender Beifall gab es für die beiden Autorinnen Gerda Brömel und Anneke Polenski sowie für Simone Arnold, die zwischen den einzelnen Texten mit ihrem Harfenspiel und Gesang einfühlsam den Nachmittag bereicherte.
Mit Dankesworten übergab die Vorsitzende des „Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V.“ Christel Mirus-Bröer Blumen an die Vortragenden, Gerda Brömel und Anneke Polenski und Musikerin Simone Arnold, und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen bei dem interessierten und applaudierenden Publikum. Simone Arnold beschloss den Nachmittag mit ihrem Harfenspiel die außerordentlich gut besuchte Lesung.
*Viel Positives und zum Teil sehr berührendes Feedback erhielten die Autorinnen spontan und auch später per E-Mail, Telefon und durch Briefe.