Zum Jahresende möchten wir an unsere langjährigen Mitglieder, die uns künsterlisch und schriftstellerisch begleitet haben mit einem Nachruf erinnern. Wir trauern und bedauern den Verlust von Antje Thietz-Bartram, Karl-Heinz Groth, Tonja Teutschebein und Linda Commer im Jahr 2025.
NACHRUF für Linda Commer Wir trauern um Linda Commer, geboren am 8. 2. 1944, gestorben am 30. 10. 2025. Die Grafikdesignerin Linda Commer, mit baltischem Familienhintergrund, lebte und arbeitete in Hamburg und Umgebung. In ihrer Freizeit segelte sie häufig mit ihrem Mann auf der Ostsee, denn es zog sie immer wieder ins Baltikum, aber auch in andere Länder.
Nach dem Studium an der HAW Werkkunstschule Armgartstraße Hamburg war sie als Layouterin bei einer großen Mode- und Frauenzeitschrift beschäftigt, später arbeitetesie freiberuflich auf dem Gebiet der Gestaltung, wo sie ihre künstlerische Begabung für Grafik und Design entfalten konnte. Als Verpackungsdesignerin und Illustratorin malte und zeichnete sie mit Leidenschaft wahre Kunstwerke, die im Internet bei „Küchenkunst Linda Commer“ zu finden sind. Seit 2004 gestaltete Linda Commer ihre Küchenkunst-Wandkalender mit Illustrationen in Aquarell- und Mischtechnik. Ihr Anliegen war es, handgemachte, naturnahe Kunst, angereichert mit bodenständigen Rezepten, in den Alltag einzubeziehen. „Nicht nur für Fischköppe“ hieß ihr erster Kalender,entstanden aus einer Kindheitserinnerung: „Als Kind hat mich meine Mutter auf dem Wochenmarkt immer am Fischstand geparkt. Ich war fasziniert von der Frau mit der Gummischürze und wollte unbedingt Fischfrau werden.“Weitere Themen der grafischen Künstlerin, in liebenswertem Niederdeutsch, waren: Rode Grütt, Himmel op Äd, Blick übern Tellerrand, Süße Lust – Feine Schnasseleien, Eten un Drinken, Snuten un Poten
Dazu gab es Grußkarten mit Rezepten und regelmäßige Beiträge in Zeitschriften. Für den gemeinnützigen Literaturverein NordBuch stellte sie das Titelbild „Der Spiegelkarpfen“ für das Jahrbuch „Fundstücke“ 2004, eine Anthologie für Lyrik und Prosa, zur Verfügung sowie für „Fundstücke, Meine Welt – unsere Welt“ 2011 das Titelbild „Der Angler auf dem Wackelpeter“.
Der Spiegelkarpfen lebt eher verborgen in der Tiefe am schlammigen Grund, so wie Worte aus der Tiefe irgendwann ans Licht geholt werden. Den tiefen Sinn der Erkenntnis oder unbeschwerte Heiterkeit, beide Gedankenwege lässt Linda Commers Kunst zu. Zugleich ist der Fisch als christliches Symbol ein Ausdruck für das Leben und die Suche nach Nahrung im direkten oder geistigen Sinne. So gelingt es Linda Commer, die Brücke vom Angler zum Literaten zu schlagen. „Wenn ich einen Fisch male, dann liegt er vor mir auf dem Arbeitstisch, im Zweifelsfall auchnoch, wenn ich ihn rieche. Herausforderung für mich ist immer, die stoffliche Illusion einer Serviette, die Transparenz einer Zwiebelschale oder den Glanz eines frischen Fisches aufs Papier zu bringen.
Mit künstlerischen Zeichnungen hat Linda Commer den Förderverein f. zeitgenössische Literatur NordBuch e.V. auf besondere Weise unterstützt; wir werden sie mit ihrer liebevollen Art in bleibender Erinnerung behalten.
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NACHRUF für Tonja Teutschebein
Wir trauern um Tonja Teutschebein, geboren 1944 in Dresden, gestorben im August 2025 in Heikendorf bei Kiel. Tonja Teutschebein war Erzieherin von Beruf und besuchte viele Länder, aus denen sie Motive für ihre Kunst in der Malerei gestaltete und als Autorin in Kurzgeschichten und Lyrik niederschrieb. Sie liebte die Form der kurzen freien Verse in der Naturlyrik, die ihre Naturempfindungen und Beobachtungen begleitet haben. Tonja Teutschebein stellte bei Lesungen an verschiedenen Orten sowie im Literaturhaus Schleswig-Holstein in Kiel und zu den Mettenhofer Kulturtagen ihre Literatur vor. Ebenfalls wurde sie durch einige Ausstellungen mit ihrer Malerei und ihren Texten bekannt. Es gelang Tonja Teutschebein Malerei und Literatur miteinander zu verbinden. In ihrer Bilderausstellung las sie zur Vernissage in Heikendorf noch im Jahr 2025 trotz ihrer sich abzeichnenden Erkrankung. In ihrer aussagekräftigen Malerei verfasste sie Gedichte, die sich in ihren Bildern widerspiegeln.
Ihre Ideen und Anregungen brachte sie seit 2015 zu dem Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V. als Mitglied. Eine Auswahl ihrer Texte von Kurzprosa und Lyrik sind regelmäßig in den Anthologien »Fundstücke« erschienen wie auch im Jahr 2025 eine Kurzgeschichte und ein Gedicht in Fundstücke, „Im Land der Hoffnung“. Zu ihrem Abschiedsgedenken habe ich ein Gedicht aus dem Bildband ausgewählt:
Ein Wort Täglich benutzen wir Worte deren Bedeutung wir nicht leben So vieles was wir dachten und taten ist nicht mehr Die Worte haben sich mit den Irrtümern verbraucht Doch täglich will ich weiter rufen und sei es nur ein Wort
Sei ich nur gewiss dass das Höchste und Tiefste um das es geht seinen Widerhall findet
(Tonja Teutschebein)
Der Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V. wird Tonja Teutschebein mit ihren Schriften in guter Erinnerung behalten.
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NACHRUF für Antje Thietz-Bartram, geb. 24. Juni 1929 Kiel und gest. 11. April 2025 Hamburg
Am 11. April 2025 verstarb im gesegneten Alter von 95 Jahren, dennoch überraschend, unser langjähriges, überaus aktives Mitglied, die Schriftstellerin Antje Thietz-Bartram. Geboren in Kiel, aufgewachsen im nahen Preetz, wurde die Stadt Hamburg ab 1958 ihr Zuhause, wo sie im Stadtteil Groß Borstel jahrzehntelang in einer großzügigen Jugendstilvilla gelebt hat.
Antje Thietz-Bartram verbrachte eine glückliche Kindheit in Preetz, machte 1950 an der Käthe-Kollwitz-Schule in Kiel das Abitur, begann danach ein Jurastudium, wurde nach dem Tod ihres Vaters Bürovorsteherin in dessen Firma und studierte später Literaturwissenschaft. 1952 heiratete sie in Preetz einen Anwalt, lebte einige Jahre mit ihm in Kiel, bis sie als junge Familie nach Hamburg zogen. Als Mutter von drei Kindern führte Antje Thietz-Bartram einen großen und gastfreundlichen Haushalt, kochte nicht selten für vierzig Personen, selbst im Feriendomizil in Kalifornien bei Kiel. Wenn Mann und Kinder schon schliefen, öffnete sie häufig eine Flasche Sekt und widmete sich stundenlang ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben, wobei sie ihren eigenen Schlaf ganz vergaß. Das Leben hielt für sie ein Füllhorn von Geschichten bereit, die sie mit Witz und Hingabe authentisch zu Papier brachte. Ihre Texte sind im Laufe der Jahre in hunderten Zeitschriften und Anthologien erschienen. Über zehn Bücher hat sie veröffentlicht, 1988 und 1998 im Eigenverlag die erfolgreiche „Weihnachtsuhr“ mit Geschichten, Gedichten und Rezepten. 2021 nahm der Input-Verlag Hamburg sie in seine Reihe „Perlen der Literatur“ erneut auf. Die Liebe zu Büchern und zur Schriftstellerei führte Antje Thietz-Bartram in mehrere Literaturvereine, denen sie lebenslang treu blieb, und so wurde sie im Jahr 2009 auch Mitglied beim Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V. in Kiel. Zeitnah übernahm sie das Ehrenamt der Revisorin, das sie bis 2024 mit großem Engagement ausübte.
Bis ins laufende Jahr hinein nahm Antje Thietz-Bartram voller Schwung und Tatendrang am Leben teil, niemals erschien sie ungeschminkt, niemals nachlässig gekleidet. Sie besuchte so viele literarische Veranstaltungen wie möglich, nahm aktiv an unzähligen Lesungen teil und meldete sich stets mit heller, unverbrauchter Stimme zu Wort, wenn sie etwas zu sagen hatte. Als Zeitzeugin des letzten Jahrhunderts hatte Antje Thietz-Bartram viel zu sagen, und wir sind froh und dankbar, dass sie ihre detailgetreuen Erinnerungen an das eigene, lange Leben in unzählige Gedichte und Geschichten gekleidet hat, mit viel Humor, aber frei von Pathos oder Anklage. Mit Würde und im Vertrauen auf Gott hat sie ihr Leben mit all seinen Überraschungen und Rückschlägen angenommen und gemeistert, und so ist sie auch ihren letzten Weg gegangen.
Mit Antje Thietz-Bartram trauern wir um eine Autorin, deren Haltung und Werk wir hochachten und nicht vergessen werden.
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NACHRUF für Karl-Heinz Groth
Wir gedenken Karl-Heinz Groth. Wir Autorinnen und Autoren lernten Karl-Heinz Groth als Schriftsteller und Förderer der niederdeutschen Sprache kennen. Der Autor von Prosa und Lyrik schrieb seit Jahren Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte auf Hoch- und Plattdeutsch. Von 1982 bis zu seiner Pensionierung 2003 war er Rektor an der Gorch-Fock-Schule in Eckernförde. Darüber hinaus war er vielfältig engagiert, hat die Heider als auch die Eckernförder Plattdeutschen Kulturtage initiiert und 2004 den Klaus-Groth-Preis für niederdeutsche Lyrik wiederbelebt; er war Mitbegründer der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft in Eckernförde für den Naturdichter, Schirmherr des ‚Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Kiel und Mitglied im Schleswig-Holsteinischen Spendenparlament. Karl-Heinz Groth ist für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden, darunter 2000 mit der Schleswig-Holstein-Medaille (Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein) und 2004 mit der Lornsen-Kette des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes. Für seinen Einsatz für den Erhalt und die Förderung der plattdeutschen Sprache wurde ihm 2009 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Der pensionierte Schulleiter und Autor Karl-Heinz Groth, geboren 1940 in Lunden, gestorben im April 2025, lebte in Goosefeld bei Eckernförde. Er bereicherte und unterstützte unseren gemeinnützigen Literaturverein seit 2003; seine Gedichte und Geschichten in hoch- und niederdeutscher Sprache wurden in den Anthologien „Fundstücke“ des ‚Förderverein für zeitgenössische Literatur NordBuch e.V.‘ veröffentlicht. Zuletzt stellte Karl-Heinz Groth seine Geschichte „Bargfriedstraat Nr. 37“ für die Anthologie für Lyrik und Prosa zur Verfügung, die im Oktober 2025 unter dem Titel „Ins Land der Hoffnung“ in Zusammenarbeit mit dem ihleo verlag herausgegeben werden konnte.
Mit dem Gedicht „Wöör“ aus der Anthologie Fundstücke 2003 werden wir sein Andenken in Ehren halten.
Wöör tolopen, toropen,
nalopen, naropen,
oplopen, opropen,
aflopen, afropen,
toslaan, doodslaan,
tokieken, wegkieken, weglopen,
stillswiegen, verdrängen, verdrieven, verbrennen.
Der Familie von Karl-Heinz Groth möchten wir unser herzliches Beileid ausdrücken und Dank. Ihr gilt unser aller Mitgefühl.