Nachlese zum Thema Kriegskinder-Kriegsenkel, Lesung am 14. 3. 2026

Im Rahmen des 12. Literaturfrühling lasen die Autorinnen Gerda Brömel (93) und Anneke Polenski (64) veröffentlichte und unveröffentlichte eigene Texte und konnten mit dem Publikum sprechen. Als verehrter Gast war die 1. Vorsitzende, Pastorin Voss, gekommen und sprach Ihre Unterstützung aus.

Zum Vortrag hatte Gerda Brömel hervorragend ihre Erlebnisse aus der Kindheit gelesen. Sie hat die Gegebenheiten von einigen Jahren in aufregend interessanten Geschichten in drei Büchern einer Zeitspanne geschrieben und für Interessierte viele neue Erkenntnisse veröffentlicht.       Sie berichtet, wie streng die Mädchen erzogen wurden und sie in einem Heim oder Lager während der Kriesgszeit untergebracht wurden. Die BDM-Führerin ließ beispielsweise auch Kinder stramm stehen.  Heimweh nach Hause zum Teddybären und zu den Kaninchen in dem kindlichen Alter wurde nicht berücksichtigt.  Sie erzählt, wie sie in der zugewiesenen Schreibstunde an die Eltern schrieb, sie würde zu Hause keine Angst vor Bomben haben und auch in den Keller gehen, in dem das Licht schwankte bei Bombenabwürfen. In einer weiteren Geschichte berichtet sie von der Verlegung des Lagers.

Die Autorin und Psychotherapeutin Anneke Polenski las aus ihrem Buch Gedichte und erzählte von der vergessenen Enkelgeneration. Auch sie erlebt diese Zeit mit schwierigen Gefühlen in der Kindheit. Häufig sind in der Generation nach dem Krieg auch die Kinder emotional vernachlässigt worden. In ihrer Kindheit beispielsweise gab es einen raueren Ton wie mit Äußerungen: stell dich nicht so an. Sie sprach von Nichtbeachtung, wenn es nicht so gut ging, von inneren Bildern, die entstanden in einer Leere und Empfindungslosigkeit dieser Nachkriegszeit, in dem sich das Kind unverstanden fühlt. Anneke Polenski prägte den Gedanken: Das Land des Schweigens. – Sie berichtete von der Schulzeit als heranreifendes Mädchen, in dem beispielsweise mehr und mehr ein Konrektor den Alltag beherrschte, und sie sprach von ihrem Bruder, der unter den Attacken des Vaters litt. Selbst hatte sie mit Angst vor Menschen, die sie nicht kannte, von Nazis und von anderen die Zeit erlebt und glaubte, böse Geister schwebten manchmal in ihrer Kindheit über ihr. In ihren Gedichten kam dies zum Ausdruck – ein Strudel von Gefühlen. In einem der Gedichte benennt sie: Hoffnung durch Handeln wartet. Weiter schreibt sie von den Mächten der Welt und beschloss: So wurzelt das Individuelle in der Kollektivität.

Zum Ende der vorgetragenen Texte konnte das Publikum den Autorinnen Gerda Brömel und Anneke Polenski Fragen stellen über die gesprochen wurde. Auch der eine oder andere eigene Gedanken konnten dabei einfließen. Das wissbegierige Publikum war diszipliniert und leise, um ohne Mikrofon genau zu hören. Alles in allem haben die Zuhörer/-innen den Autorinnen applaudiert und waren beeindruckt von den berührenden autobiografischen Geschichten und Gedichten.

    Am Büchertisch nahm das Publikum die Gelegenheit Bücher zu erwerben wahr. Für das leibliche Wohl gab es Kaltgetränke, Kaffee und Gebäck. Die Lesung konnte mit Aufnahmen des Fotografen Wolfgang Sauermann und mit Besuchern und Aktiven erfolgreich beendet werden. Vielleicht hätte noch vieles mehr gesprochen werden können, doch die Zeit von etwa 15.15 bis 18 Uhr ist gut gewählt worden.

  • … Zur Erklärung wurde der Begriff „Kriegskinder“ wurde in den neunziger Jahren für eine „vergessene Generation“ geprägt. Denn erst zu dieser Zeit begannen Menschen der Geburtsjahre 1930 bis 1945 öffentlich über ihre bis zum Rentenalter verdrängten traumatischen Kriegserlebnisse in der Kindheit zu sprechen, zu schreiben oder deshalb ärztliche Hilfe zu suchen. Dabei wurde deutlich, dass auch deren Nachkommen, die „Kriegsenkel“ (Jahrgänge 1960 – 1975), indirekt durch ihre Eltern vom Krieg gezeichnet sein können.

© Christel Mirus-Bröer